Kirche Sankt Martin

in Reiser

 

Die jüngste Geschichte dieses altehrwürdigen Gemäuers hat bewiesen, dass diese Antwort richtig ist: "Das Engagement der Bevölkerung ist in Reiser lobenswert!" So die Worte unseres Herrn Pfarrer Moritz, die unser Ortsbürgermeister Jörg Papendick voll und ganz bekräftigte. Doch schauen wir zunächst in die Entstehungsgeschichte: In der Chronik heißt es: "Anno 1693 ist die Kirche zu Reiser anders gebaut worden." Dieses Zitat trifft das Richtige, denn diese Jahreszahl ist heute noch sichtbar über der Kirchentür und in der Wetterfahne, die die bekannteste Legende vom Heiligen Martin darstellt. Bezogen auf das Wort 'anders' bedeutet das, dass es vor diesem uns allen bekannten bereits ein anderes Kirchenbauwerk gegeben hat. Unsere altansässigen Einwohner kennen die Kirche - zumindest von Bildern - noch ohne den jetzigen Turm.

Dazu zitiere ich wieder die Chronik, denn hier gibt es ebenfalls eine konkrete Aussage zur Orgel: "Im August 1914, einige Tage nach der Kriegserklärung wurde in der Kirche die alte Orgel abgerissen, um durch eine neue ersetzt zu werden. In derselben Zeit wurde auch der alte Kirchturm, der noch ohne Kuppel war, abgerissen  und der Kirchturm wie er jetzt schön und schmuck dasteht neu erbaut. Die neue Orgel wurde zu Anfang des Jahres 1915 in Gebrauch genommen. Von einer größeren Einweihungsfeier wurde wegen der schweren Kriegszeit Abstand genommen."

Die wertvollsten Schätze im Inneren der Kirche sind der Flügelaltar - ein Prachtstück mittelalterlicher Holzschnitzkunst

und die Pieta Schmerzensmutter Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes - aus einem Holzstück meisterhaft gefertigt. Besonders der Gesichtsausdruck der Maria zeigt in ergreifender Weise Mutterliebe und Mutterschmerz.

Leider sind von beiden Kunstwerken weder das Alter noch die Herkunft, ebenso wenig die Schöpfer bekannt.

Mitte der 50iger Jahre des 20. Jahrhunderts - so wusste es unser Pfarrer - wurde die 'Winterkirche' eingebaut (Kaminbau und Ofenheizung im vorderen Teil - heute abgegrenzt vom Altar -Raum durch eine schmucke Glaswand).

 

   Es bleiben in diesem Zusammenhang zwei Fragen offen: Wurde bei diesen Bauarbeiten die Empore vorgezogen  und wann ist die seitliche Empore abgetragen worden? Vielleicht gibt es ja Reisersche, die darauf eine Antwort wissen!?

Und so wären wir schon bei der jüngsten Geschichte: Pfarrer Moritz erinnert sich:

Es muss 1991 gewesen sein, als der Schützenverein des Ortes den Innenraum der Kirche malermäßig instand setzte. Zuvor waren die alten Bänke, die wirklich kaputt waren, durch ca. 80 Stühle aus reiserschen Küchen ersetzt worden. Er trat nach seinem Urlaub den Dienst wieder an und wunderte sich über all die Menschen - vor - der Kirche, die ihm mit verschmitzt lächelnden Gesichtern in den Innenraum folgten. Und er traute seinen Augen nicht - neue Bänke, wie geschaffen für unser Kirchlein, standen in Reih' und Glied.

Das Problem - sie gehörten nicht uns; waren von Ammern nur eingelagert im heutigen Schützenhaus.

Ende gut - alles gut - die Bänke durften bleiben bis sie in Ammern gebraucht wurden. Doch als es soweit war und sie abgeholt werden sollten - konnte nur noch Herr Superintendent Looft die erhitzten Gemüter schlichten mit dem Versprechen, dass neues Gestühl nach Reiser kommt. Er hat sein Versprechen gehalten! Ich muss mich kürzer fassen:

Inge Caspari