Pfarrkirche St. Pankratius
in Horsmar
Dem heiligen Pankratius - die Bauernregel zählt ihn neben Servatius und Bonifatius zu den "Eisheiligen" - ist die evangelische Pfarrkirche in Horsmar geweiht, die in leicht erhöhter Lage das Bild des reizvollen Unstrutdorfes entscheidend prägt. Der Chorturm mit seinem verschieferten Spitzhelm und den vier flankierenden Ecktürmchen ist in seiner Anlage mittelalterlichen Ursprungs und wurde zu Beginn des 16. Jh. verändert, wie die Inschrift mit der Jahreszahl 1519 am südlichen Turmfenster belegt; ebenfalls in diese Zeit sind die Maßwerkfenster am Glockengeschoss zu datieren. Einem Brand von 1640 fiel das' Kirchenschiff des Vorgängerbaus zum Opfer, dessen Wiederaufbau als stattlicher Saalbau mit hohen Rundbogenfenstern und geehrtem Eingangsportal 1721 beendet werden konnte. Der Schlichtheit des ursprünglich verputzten Kirchenschiffes steht ein für den protestantischen Kirchenbau in Thüringen überaus prachtvoll gestalteter Innenraum gegenüber, der zu den schönsten im Nordthüringer Raum zählt und durch seine Einheitlichkeit besticht. Die Malereien an der Holztonne von 1754 - Szenen aus dem Leben Christi, Apostel- und Evangeliumsdarstellungen - werden dem Maler Johann Georg Rieden aus Horsmar zugeschrieben. Unbekannt ist dagegen der Maler der neutestamentarischen Szenen auf den Brüstungsfeldern im unteren Teil der Doppelempore. Aus der Werkstatt des Arnstädter Orgelbauers Johann Friedrich Wender d. Ä. stammt die Orgel von 1694, die 1817/21 erweitert wurde. Den Chorraum schmückt der 1821 entstandene monumentale Altar mit vier korinthischen Säulen; reich verziert mit Festons und Amphoren, das mittige Altarblatt zeigt die Abendmahlszene, das Kruzifix ist eine Arbeit des späten 15. Jh. Die Kanzel mit Schalldeckel und originalem Treppenzugang aus der ersten Hälfte des 18. Jh. ist ebenfalls reich geschmückt mit gedrehten Säulen und Blütenwerk, in den kassetierten Feldern die vier Evangelisten, auf der Innenseite gemaltes Blattwerk. Ein spätbarocker Kanzelkorb mit Szenen aus dem Leben Christi an der Nordseite des Chorraumes trägt an seiner Innenseite Zeichnungen mit fratzenartigen Gesichtern. Das barocke Kirchengestühl mit Akanthusblättern und bekrönender Muschel an den Wangen trägt unter einem jüngeren Anstrich die originale Farbfassung, die partiell freigelegt wurde.
Pfarrer D. Niemann
