Johanneskirche
in Eigenrode
Kirchen in den Dörfern sind markante kulturhistorische Zeugnisse, sie erzählen gleichsam Regionalgeschichte. Unsere Serie „Kirchen im Kreisteil Mühlhausen" stellt sie in Wort und Bild vor.
EIGENRODE • Das kleine Dorf - zwar in der Schutzzone des Mühlhäuser Landgrabens gelegen - wurde als Verteidigungsdorf angelegt. Die Wehrkirche umgab bis 1926 eine massive Felssteinmauer, deren Steine von den abgebrochenen Kirchen und Gebäuden der umliegenden Dörfer Eicherode und Ebelrode stammten.
1548 wurde das ursprüngliche Gotteshaus errichtet, in dem 1565 der erste evangelische Pfarrer predigte, obwohl die Reformation bereits 1549 in Eigenrode und Horsmar Einzug gehalten hatte. 1593 erfolgte die kirchliche Vereinigung von Eigenrode und Sollstedt, nachdem der Mühlhäuser Rat das Patronat von Sollstedt erlangt hatte.
Das heutige Gotteshaus wurde 1770 bis 1772 errichtet und zunächst mit einem spätgotischen Flügelaltar aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ausgestattet, der möglicherweise aus der abgetragenen Kirche von Eicherode gestammt haben könnte.
Auf dem Mittelschrein des Schnitzaltars war die Madonna - auf einer Mondsichel stehend und von einer Strahlenglorie umgeben - zwischen einem Bischof und der Heiligen Agnes gestaltet. Auf den Flügeln waren die Heiligen Barbara. Antonius, Margaretha und andere gemalt. Der historische Altar
wurde 1966 teilweise restauriert und 1975 verkauft.
Seit der Einweihung des Gotteshauses, das der Baumeister Bernhard Köthe erbaut hatte, wurde alljährlich am Johannestag zu Ehren des Namensgebers das Kirchweihfest gefeiert, das später nach Beendigung der Erntearbeiten in den Herbst verlegt wurde.
In dem 1692 erbauten ehemaligen Kirchturm hingen Ende des 19. Jahrhunderts zwei Glocken, die einen Durchmesser von 0,70 Meter (aus dem Jahre 1860) und 0,53 Meter (aus dem Jahre 1681) aufwiesen.

1925 erwarb die Gemeinde eine neue Glocke für 776,30 Goldmark in der Glockengießerei der Gebrüder Ulrich in Apolda. Jene Bronzeglocke „dis" ist 192 Kilogramm schwer und weist eine Inschrift mit 289 Buchstaben auf. 1921 wurde das Kriegerdenkmal an der Südseite der Kirche eingeweiht und 1935 der alte Friedhof eingeebnet, da der neue bereits 1911 am Westende des Ortes angelegt worden war.
1968 mußte der alte Kirchturm aus dem Jahre 1692 wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Es erfolgte ein Anbau an das Kirchenschiff mit zwei Räumen für den Religionsunterricht und den Gottesdienst im Winter.
In dem Zusammenhang mußten die Orgelempore und der neue Altar von der Ost- auf die Westseite verlegt und der Eingang an der Straßenseite zugemauert werden. Auch der alte Taufstein aus der Wüstung Ebelrode mußte seinen Platz von der Mitte an die Westseite wechseln. Gleichsam als Turmersatz wurde ein schmales Türmchen - ein Dachreiter - auf das Dach gesetzt.
Nach langjährigem Umbau im Kircheninnern konnte endlich 1986 die Johanneskirche wieder eingeweiht werden, woran der Propst aus Magdeburg teilnahm. Die langen Bänke stammen aus der Mühlhäuser Marienkirche, wie der Eigenröder Heimatforscher Kurt Frey zu, berichten wußte.
Von 1772 bis 1926 waren in Eigenrode und Sollstedt 28 Pfarrer tätig, die ihr Amt durchschnittlich elf Jahre und sieben Monate versahen. Danach übten die Tätigkeit als Seelsorger nacheinander die Pfarrer aus Dachrieden, Kaisershagen und Horsmar aus, wie heute Pfarrer Dieter Niemann aus Horsmar.
Seit Jahrhunderten wirft eine stattliche alte Linde im Sommerhalbjahr ihren Schatten auf das Eigenröder Gotteshaus im Zentrum des Ortes.
Text: aus der Serie „Kirchen im Kreisteil Mühlhausen" von Dieter Fechner
Die Umbauarbeiten wurden alle in Eigenregie unter der leitenden Mitarbeit von Ewald Körber und Kurt Frey. Für die Kirchenmalerei war Herr Kruse aus Kreuzebra verantwortlich.